Erziehung und Bildung

Grundsätzlich lässt das chinesische Erziehungs- und Bildungssystem sich in vier Punkten zusammenfassen. Es wird unterschieden zwischen moralischer, intellektueller, physischer und ästhetischer Erziehung.

Seit der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 hat das Bildungssystem sich enorm verändert. Die letzte Entwicklungsphase dieser Veränderung war die Einführung der Öffnungspolitik, die sich auch auf Erziehung und Bildung ausgewirkt hat. 1996 trat das chinesisches Bildungsgesetz in Kraft und legte den Rahmen für die zukünftige Entwicklung fest. Aber Gesetze allein reichen nicht aus, wenn es an der Umsetzung mangelt. Das Problem ergibt sich aus der Größe Chinas und den Strukturen, die nicht gegensätzlicher sein könnten.

Was in Peking beschlossen wird, muss anschließend in den Provinzen vollzogen werden. Wobei es vielen lokalen Bildungseinrichtungen schlicht am Verständnis für die Vorgaben aus der Hauptstadt fehlt. Ist die Einsicht vorhanden, reichen oft die Mittel nicht, um die Vorgaben effektiv umsetzen zu können.

Das im Gesetz von 1996 formulierte Ziel, ein sozialistisches Bildungs- und Erziehungssystem zu errichten, ist zum Teil erreicht. Stand früher ein prüfungsorientiertes Lernen im Vordergrund, steht jetzt als erklärtes Ziel die allzeitig gebildete Persönlichkeit im Focus der Pädagogik.

Zuvor wurden bereits in den 1980er Maßnahmen zur Dezentralisierung getroffen. Das hat allerdings nicht zu einer Stärkung der ländlichen Regionen geführt. Regional ist selbst die Bildung auf Grundschulniveau von unterschiedlicher Qualität. Diese Schwierigkeiten könnten dazu führen, das bestimmt Bereiche im Bildungswesen wieder zentralisiert werden.

Bei der PISA-Studie hat China sehr gut abgeschnitten. Doch sagt das Ergebnis nichts über die Qualität des Systems insgesamt aus, da ja, wie in allen anderen Ländern, nur einzelne Schulen auf dem Prüfstand waren. Kinder in Shanghai zeigten hervorragende Leistungen im Lesen, Mathematik und in naturwissenschaftlichen Fächern. Mit zum Erfolg haben vermutlich auch die zahlreichen Angebote des ergänzenden Lernens beigetragen. Gerade die Eltern der Mittel- und Oberschicht nutzen gerne die Offerten der Nachhilfe-Institute. Aber auch die ausgezeichnete Ausbildung der Lehrer, die in China ein hohes Ansehen genießen, spielt eine Rolle. Mag vielerorts noch Frontalunterricht bis hin zum Drill dominieren, zeigt die Tendenz in eine andere Richtung. Chinesische Pädagogen sind Neuerungen gegenüber aufgeschlossen und informieren sich im Ausland über erzielte Lernerfolge. Sie übernehmen gerne neue Methoden, wenn sie für gut befunden worden sind.

Große Fortschritte hat das Land durch die Öffnung gemacht. China profitiert von den zahlreichen ausländischen Studierenden, während umgekehrt für chinesische Studenten ein Studium im westlichen Ausland ein Erlebnis ist, das weit über das Studium herausragt. Eine beträchtliche Zahl der Studierenden kehrt allerdings nach dem Studium nicht nach China zurück.