Chinesisches Schulsystem

Ein Schulpflichtgesetz existiert in China erst seit 1986. Und erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ein öffentliches Schulsystem in Gang gesetzt. Unter Mao stand die politische und moralische Bildung der Massen im Vordergrund.

2006 wurde das Gesetz über die allgemeine Schulpflicht geändert. Darin soll die Gerechtigkeit im Bildungswesen gefördert und gestärkt werden. Außerdem ist darin festgeschrieben, dass keinerlei Schulgebühren erhoben werden. Die Einheitlichkeit der Schulpflicht – gleiche Bildungschancen in allen Regionen des Landes – werden betont.

Das moderne chinesische Schulsystem kennt eine neunjährige Schulpflicht, die für die Grund- und Mittelschule gilt. Dem revidierten Gesetz zufolge hat die Schulpflicht einen „Zwangscharakter“. Die Grundschule muss sechs Jahre lang besucht werden und mündet in die Unterstufe der Mittelschule, analog zur Sekundarstufe I bei uns. Danach gibt es verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten für die Eltern. Die Schüler können die dreijährige Oberstufe besuchen, falls sie die Aufnahmeprüfung bestehen. Fachoberschule oder Berufsfachschule sind die beiden Alternativen. Nach einer zwei- bis vierjährigen Ausbildung sind die Jugendlichen sattelfest für die Arbeitswelt.

Die Oberstufe endet mit dem National High School Exam, auf Mandarin Gao-Kao. Der Schüler hat damit die Hochschulreife erreicht.

Eine Schulwoche dauert in China von Montag bis Samstag. Die Schüler befinden sich von 7.30 Uhr bis 16.30 auf dem Schulgelände. Diese Zeiten gelten auch für alle Lehrer. Die Mittagspause dauert eineinhalb Stunden. In den Freistunden können die Schüler auf freiwilliger Basis Kurse besuchen.

Lehrer sind unantastbare Autoritätspersonen. Widerspruch seitens der Schüler wird nicht geduldet. Um das Ziel einer allzeitig gebildeten Persönlichkeit zu erreichen, dürfen die Schüler keine Fächer abwählen. Daher wird das Wissen in fast allen Fächern examiniert. Geprüft wird zur Mitte und zum Ende jedes Semester. Für die Prüfungen sind drei Tage veranschlagt. Statt Noten werden Punkte vergeben. Es werden maximal 100 Punkte pro Fach vergeben. Mit 60 Punkten hat man den Test bestanden, mit 59 Punkten ist der Schüler durchgefallen, was aber keine negativen Auswirkungen hat. Erst bei einem Schulwechsel nach der 6., 9. oder 12. Klasse zählen die Punkte und geben den weiteren schulischen Weg vor.

Die Prüfung aller Prüfungen ist für chinesische Schüler das Gao-Kao nach der 12. Klasse. Die zentralen Prüfungsaufgaben werden an drei Tagen gestellt. Eine hohe Punktzahl entscheidet über die Zukunft des Schüler. Von der Höhe der Punktzahl hängt es ab, ob er von einer renommierten Hochschule aufgenommen wird. Aber es geht dabei nicht nur um Renommee. Auch die soziale und finanzielle Zukunft der Familie hängt von der Prüfung ab.